Land der Dichter und Erfinder

Deutschland gilt seit langer Zeit als Heimat der Dichter und Denker. Doch wie beeinflusst der deutsche Erfindergeist die moderne Welt? Wir werfen einen Blick auf sechs der wichtigsten Erfindungen.

Der Buchdruck

Auch mehr als 500 Jahre nach seiner Zeit prägt Johannes Gutenberg die moderne Welt wie kaum ein anderer Deutscher. Sein Vermächtnis: Der Buchdruck. Etwa im Jahr 1440 erfand der Goldschmied ein System, mit dem er geschmiedete Lettern, aufgesetzt auf eine Schiene, mit Farbe bepinselte und ein Blatt Papier darauf legte. Auf diese Weise stellte er die erste gedruckte Bibel her.

Der Ursprung des Telefons

Gemeinhin gilt Alexander Graham Bell als Erfinder des Telefons. Allerdings liegt das vorrangig an einer Frage des Patents – den Grundstein und den ersten Prototypen für das Telefon verdanken wir dem Deutschen Johann Philipp Reis. Mitte des 19. Jahrhunderts gelang dem Mathematiklehrer die Umwandlung von Lauten und Tönen in elektrische Ströme. So konnte er den Schall an einen anderen Ort weiterleiten. „Durch meinen Physikunterricht dazu veranlasst, griff ich im Jahre 1860 eine schon früher begonnene Arbeit über die Gehörwerkzeuge wieder auf und hatte bald die Freude, meine Mühen durch Erfolg belohnt zu sehen“, schrieb Reis in seinem Lebenslauf. Dieses Instrument nannte er „Telefon“.

Reis versuchte, das Gerät auf den Markt zu bringen, aber in wissenschaftlichen Kreisen sprach man von einer „Spielerei“. 15 Jahre nach seiner Erfindung entwickelte Graham Bell das Telefon weiter und meldete schlussendlich das Patent an.

Computer im Taschenformat

Telefonkarten, Kreditkarten, Krankenkassen-Karten: Die Chipkarte hat ihren Weg in die unterschiedlichsten Aspekte unseres Lebens gefunden. Als ihre Erfinder gelten die Deutschen Jürgen Dethloff und Helmut Gröttrup. Gröttrup hatte bereits Erfahrungen auf dem Gebiet der Chipkarten und hielt ein Patent. Gemeinsam meldeten die beiden 1969 ein Patent für eine Plastikkarte mit integriertem Schaltkreis an. 1977 ließ Dethloff die Karte als „Smart-Karte“ patentieren. Auf dieser sind verschiedene Programmierungen möglich und sie ist multi-funktionell einsetzbar.

Der durchschaubare Mensch

Würzburg, 8. November 1895: In seinem Labor entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen eine der berühmtesten Entdeckungen der Wissenschaftsgeschichte. Die unbekannte, unsichtbare Strahlung, die er „X-Strahlen“ nannte, sollten, auch wenn er es vielleicht nicht ahnte, einst die Medizin revolutionieren. Außerdem gaben sie im Laufe der Jahre den Impuls für viele weitere Forschungsergebnisse, die das Atom-Zeitalter einläuteten.

Das Ganze funktionierte, so die Geschichte dazu, per Zufall. Konkret experimentierte Röntgen mit Elektronenstrahlen in einem luftleeren Glasbehälter, einer sogenannten Hittorfschen Röhre. Mit einem Fluorestenzschirm beobachtete er die Elektronenströme innerhalb der Röhre. Dann bemerkte er, dass der Schirm auch in größerer Entfernung von der Röhre noch leuchtete, obwohl Elektronenstrahlen in der Luft nur wenige Zentimeter weit reichen.

Als er dann zufällig seine Hand zwischen die Röhre und den Schirm hielt, kam es zur Entdeckung: Plötzlich konnte er seine eigenen Knochen sehen. Außerdem entdeckte er, dass diese X-Strahlen Fotoplatten schwärzten. Mit dem bahnbrechenden Bild der Handknochen seiner Frau Anna, dem ersten Röntgenbild der Welt, lieferte er dann den Beweis seiner X-Strahlen.

Kampf den Bakterien

Spätestens seit der Coronavirus-Pandemie von 2020 ist der Name Robert Koch der breiten Masse wohlbekannt. Zu seiner Zeit – im 19. Jahrhundert – waren Cholera, Diphtherie und Tuberkulose die tödlichsten Krankheiten, gegen die es noch keine allzu wirksamen Waffen gab. Der Mediziner Robert Koch konnte nachweisen, dass winzige mikrobiologische Organismen, Bakterien, für diese Krankheiten verantwortlich waren. Im Laufe der Jahre gelang es Koch, Ansteckungswege und Infektionserreger ausfindig zu machen. Plötzlich waren Therapiemöglichkeiten und Prävention möglich. Neben Louis Pasteur gilt Robert Koch heute als Wegbereiter der Mikrobiologie und als Mitbegründer der modernen Bakteriologie.

Das Auto

Und zuletzt kommen wir zum buchstäblichen Motor der deutschen Wirtschaft: Dem Automobil. Bereits 1885 erfand der deutsche Ingenieur Gottlieb Daimler das Motorrad, einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Entwicklung des Autos. Gemeinsam mit dem Entwickler Wilhelm Maybach erfand Daimler das Motorboot und setzte den neu entwickelten „Otto-Antrieb“ als Antrieb bei einer Kutsche ein. So entstand das erste Auto mit vier Rädern. Das Patent hatte sich allerdings bereits der Erfinder Carl Benz gesichert – dieser hatte gleichzeitig an der gleichen Idee getüftelt und 1886 ein Patent auf das „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ angemeldet. Seine Ehefrau Bertha Benz unternahm die erste große Fahrt.

Titelbild: © Zamrznuti tonovi / stock.adobe.com

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Lars Nievelstein
Lars Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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