Generation Mitte: Zwischen Digitalisierung und Rente

Die nachlassenden Corona-Zahlen sorgen für neuen Optimismus. Allerdings rücken dafür anders gelagerte Themen in den Hintergrund. Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat nachgeforscht, was die Mitte der Gesellschaft bewegt.

Zeichen stehen auf Öffnung

11. Februar 2022. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 240.172 Neuinfektionen. Zum ersten Mal seit Beginn des Jahres ist im Wochenvergleich ein Rückgang zu beobachten. Eine Woche später setzt sich diese Entwicklung fort. Nachdem zuerst die Wirtschaft und Kultureinrichtungen unter der Pandemie litten, hatte sie außerdem deutliche Auswirkungen auf das Vertrauen der Deutschen in die Regierung. Einer aktuellen Civey-Umfrage zufolge sind mehr als 40 Prozent der Befragten „sehr unzufrieden“ mit der Arbeit der Politik, weitere 22,5 Prozent „eher unzufrieden“. Nicht einmal jeder Vierte zeigte sich „zufrieden“.

Sorge um Corona

Die Studie „Generation Mitte“ des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) warf kürzlich einen genaueren Blick auf die 30- bis 59-Jährigen in Deutschland. Die Ergebnisse lassen auf Optimismus schließen: mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Befragten gaben an, frohen Mutes der Zukunft entgegenzublicken. Ein Jahr zuvor gaben 22 Prozent der Befragten diese Antwort. Vom Vorkrisenniveau ist dieser Wert allerdings noch ein Stück weit entfernt.

Ein deutlicher Einbruch bei der Verbraucherstimmung nach Beginn der Pandemie. Quelle: Statista

Aufgrund der Impfkampagne ist jedoch auch die Sorge vor einer eigenen Coronavirus-Infektion bei vielen Deutschen das Jahr über geschrumpft. Dafür aber zeigten sich die Deutschen in der aktuellen Umfrage deutlich gestresster als noch im Jahr 2021. Waren es damals knapp 33 Prozent der Befragten gestresst vom Arbeitsalltag, so hielten in der neuen Umfrage rund 39 Prozent das Leben für zu stressig. Dem Institut für Demoskopie zufolge handelt es sich dabei um eine langfristige Entwicklung. Bereits seit Jahren steigt das Stressniveau stetig an – die Pandemie wirkt also nur als Verstärker.

„Unsere aktuelle Analyse zeigt, wie gerade Menschen mit psychischen Problemen unter den Pandemie-Einschränkungen und -Belastungen leiden“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-GESUNDHEIT.

Es lebt sich teurer

Weiterhin zeigen die Zahlen, dass der Anteil der Wohlstandsgewinner in Deutschland weiter zunimmt. 42 Prozent der Befragten gaben an, dass es ihnen besser gehe als noch vor fünf Jahren. 21 Prozent dagegen das genaue Gegenteil. Gleichwohl blicken viele der Befragten (74 Prozent) besorgt auf das Preisniveau in Deutschland. Vor allem Energie und Lebensmittel sind im Jahresverlauf teurer geworden, hinzu kommt die Sorge vor steigenden Steuern oder Abgaben. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine der größten Sorgen der mittleren Generation: Zwei Drittel fühlen sich durch die steigenden Preise stark belastet.

Probleme mit der Rente

Und wo sieht die mittlere Generation Ausbaubedarf? Hier spielen Digitalisierung und Automatisierung eine größere Rolle. Fast drei Viertel (71 Prozent) gaben an, dass die Bearbeitungszeit für Anträge und Genehmigungsverfahren zu lange dauert. 57 Prozent sehen deutlichen Ausbaubedarf beim Rentensystem. Der digitale Fortschritt brauche sowohl in der kommunalen Verwaltung und im Schulunterricht, als auch in der Pflege und bei den Sicherheitsbehörden zu lange.

„Die Pandemie und die stark steigenden Preise belasten die Menschen und ziehen zurzeit auch die Aufmerksamkeit von den großen langfristigen Herausforderungen ab wie beispielsweise der Bewältigung des Klimawandels.“ – Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach

Eine Gefahr für später

Zuletzt offenbarte die Studie, dass die Generation Mitte aufgrund all dieser Sorgen den Blick von längerfristigen Herausforderungen abwendet. Nur 42 Prozent der Befragten sehen den Klimawandel als akute Bedrohung an. Zum Teil liegt das daran, dass er eher als „Gefahr für später“ in den Köpfen verankert ist – denn dass spätestens ihre Kinder mit dessen Folgen kämpfen werden, ist dennoch vielen klar. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Befragten schätzen ihn als Bedrohung für die nachfolgende Generation ein.

Für Vermittler ist es anhand dieser Ergebnisse umso wichtiger, Kunden in der Beratung ihre Ängste zu nehmen – die Untersuchung zeigt, wo die kritischen Handlungsfelder liegen. Eine Zunahme psychischer Probleme kann zum Beispiel als Einstieg für Berufsunfähigkeitsprodukte fungieren. Für Kunden, die sich eine Verbesserung des Rentensystems wünschen, eignet sich tendenziell die private Altersvorsorge.

Titelbild: ©bnenin/ stock.adobe.com

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