Die Risikoeinschätzung im kulturellen Wandel

20 Prozent der Deutschen legen bereits in Aktien und Fonds an, weitere Bundesbürger wollen demnächst ebenfalls einsteigen. Inwiefern ist hierfür eine neue Sicht auf das Risiko verantwortlich? Legen Kunden überhaupt noch Wert auf die gleichen Garantien? Wir fragen bei Dr. Winfried Gaßner, Leiter Produktmanagement, nach, wie die WWK ihre Kunden dabei unterstützt, sicher aber dennoch mit Rendite vorzusorgen.

Redaktion: Herr Dr. Gaßner, wie wichtig sind den Kunden im Jahr 2022 noch Garantien?

Dr. Winfried Gaßner: Warum sollten Garantien bei der Kapitalanlage für unsere Kunden in Zeiten niedriger Zinsen unwichtiger sein als in früheren Jahren? Ich denke, viele Aspekte untermauern meine Einschätzung, dass das Thema Sicherheit bei der Kapitalanlage einen unverändert hohen Stellenwert hat:

Seit 1.1.2018 ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz – auch bezeichnet als „Nahles-Rente“ umgesetzt. Das Sozialpartnermodell sieht die Möglichkeit einer reinen Beitragszusage für die bAV vor, sofern die Sozialpartner dies im Rahmen von Tarifverhandlungen vereinbaren. Garantiert würde hier nur noch die Zahlung eines Beitrags, nicht aber die Höhe einer resultierenden Leistung. Seither ist ein derartiges Konstrukt in Umsetzung – wirklich mit Leben erfüllt ist m.W. noch gar keines. Das zeigt, wie schwer sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter bis heute mit einer Altersvorsorge ohne Garantien tun.

Zudem wurde von unseren Kunden und Vermittlern im Jahr 2021 praktisch nur das höchstmögliche Garantieniveau gewählt – erneut. Dabei hatten unsere Kunden die Wahl von 50 bis 100 Prozent. Und es gäbe durchaus auch Argumente für niedrigere Garantien: Höheres Aktieninvestment, höhere Ertragschancen, Inflationsausgleich, et cetera.

Die vertriebliche Realität zeigt jedoch: Für die meisten Kunden scheint Sicherheit ein entscheidendes Argument zu sein bei der Produktwahl.

Diverse Meinungsumfragen verschiedener Institute bestätigen ebenso, dass Sicherheit im Rahmen der Altersvorsorge für die Mehrheit der Deutschen große Bedeutung hat.

Redaktion: Wie sollten Versicherer auf die entsprechende Sachlage eingehen?

Dr. Winfried Gaßner: Garantien in der Altersvorsorge sind für die Kunden aus meiner Sicht unverändert wichtig und werden Gegenstand der meisten Beratungsgespräche bleiben. Im Riester-Geschäft bleibt die Garantie der Bruttobeiträge sogar Anforderung des Gesetzgebers, obwohl ein Höchstrechnungszins von nur noch 0,25 Prozent dies zur kalkulatorischen Herausforderung macht. Mit hohen Garantien ist vielfach jedoch ein Verzicht auf Renditechancen verbunden. Dieser Nachteil wird in der Niedrigzinsphase transparenter. Für den Anbieter ist es entscheidend, Altersvorsorgeprodukte mit und ohne Garantie in gleichermaßen hoher Qualität anzubieten, damit Kunde und Vermittler je nach Präferenz frei wählen können.

Redaktion: Wie sieht die WWK hier die Entwicklung der letzten Jahre? Und was führt zu dieser Entwicklung?

Dr. Winfried Gaßner: Mit der Niedrigzinspolitik wollten und wollen die Notenbanken aus meiner Sicht weltweit in wirtschaftlichen Krisenzeiten versuchen, die nationalen Wirtschaftssysteme aber auch die Weltwirtschaft vor einem Zusammenbrechen zu bewahren und zu stimulieren. Für diese Strategie gibt es sicher im Einzelfall auch gute volkswirtschaftliche Argumente. Zwei Dinge entwickelten sich aber aus meiner Sicht problematisch:

Die Notenbanken agieren seit 2008 in einem Dauer-Krisenmodus: Finanzkrise, Staatsschuldenkrise, Bankenkrise, Corona-Krise mit mehreren Lockdown-Wellen.

Der zweite Punkt sind die inzwischen großen und sehr heterogenen Wirtschaftsräume wie beispielsweise die EU: Selbst die Erholungsphasen zwischen den aufgezählten internationalen Krisen wurden nicht für eine Umsteuerung genutzt, da in einzelnen Volkswirtschaften immer Rezessionen oder sogar gesellschaftliche Unruhen aufgrund einer verbreiteten Arbeitslosigkeit zu beobachten waren. Sie können heute aber das Zinsniveau nicht mehr für einzelne nationale Volkswirtschaften verändern. Das sind die Nachteile der Vorteile von großen Währungsräumen, Binnenmärkten und Globalisierung.

Spürbare Auswirkung dieser Politik „für jedermann“ ist der Anlagenotstand vieler Sparer: Sparguthaben werden entwertet durch Negativzinsen, dazu kommt eine steigende Inflation. Herausforderungen birgt dies auch und insbesondere für den langfristigen Sparprozess der Altersvorsorge. Die Versicherungsgesellschaften stehen uneingeschränkt zu den – teilweise noch sehr attraktiven – Garantiezusagen in Altverträgen. Aber:

Sinkende Überschüsse und natürlich der zwischenzeitlich auf 0,25 Prozent gesunkene Garantiezins machen es erforderlich, über alternative Modelle der Altersvorsorge nachzudenken.

Redaktion: Wie passt sich die WWK diesem Trend an?

Dr. Winfried Gaßner: Unsere Strategie kommt uns in dieser Lage sehr zugute. Als einer der Pioniere der fondsgebundenen Versicherung setzen wir bereits seit über 50 Jahren bei unserem Vorsorgeangebot auf die Investition in Sachwerte, sprich: Auf die fondsgebundene Rentenversicherung, bei der der Kunde aktienbasiert investiert. Gerade in den Aktiemärkten haben wir in den vergangenen Jahren – auch aufgrund der oben diskutierten Niedrigzinspolitik der Notenbanken – eine äußerst attraktive Entwicklung gesehen, von der unsere Kunden natürlich in der Breite sehr stark profitiert haben.

Auch sind die Herausforderung durch Zinsverpflichtungen aus Altverträgen weniger belastend für den Versicherer, wenn ein gewichtiger Anteil der Bestandsverträge aus dem fondsgebundenen Geschäft kommt.

Redaktion: Wieso entfällt der Garantiebaustein für die Premium FondsRente 2.0?

Dr. Winfried Gaßner: Die WWK Premium FondsRente 2.0 ist zwar unser jüngstes „Pferd im Stall, aber nicht unser einziges. Unser aktuelles Produktportfolio lässt dem Kunden die Wahl, je nach seiner eigenen Risikoneigung:

Die WWK Premium FondsRente 2.0 ist ein chancenorientiertes Produkt, fondsgebunden und ohne Garantie.

WWK IntelliProtect 2.0 garantiert dem Kunden zwischen 50 und 80 Prozent der eingezahlten Beiträge. Im gewählten Rahmen sorgt der icppi-Motor für die maximal mögliche Investition in frei wählbare Fonds. Die gewünschte Garantie wird mithilfe des Sicherungsvermögens der WWK dargestellt. Dank unserer Riesterrente haben wir zudem nach wie vor ein Garantieniveau von 100 Prozent der eingezahlten Beiträge im Angebot.

Und sogar eine konventionelle Rentenversicherung haben wir noch im Angebot, wenngleich diese wie schon in den vergangenen Jahren sicher von untergeordneter Bedeutung sein wird.

Unser Ansatz ist: Wir lassen dem Kunden die Wahl, ganz nach seiner Risikobereitschaft.

Redaktion: Welches Potential entfaltet sich durch eine entfallende Garantie?

Dr. Winfried Gaßner: Das ist relativ einfach: Das Produkt WWK PremiumFondsRente 2.0 ist in der Ansparphase zu 100 Prozent in frei wählbare Fonds investiert und partizipiert damit maximal an den Chancen der Kapitalmarktentwickung. Sogar in der Rentenphase Invest kann ein nennenswerter Anteil des Rentenkapitals in Fonds investiert bleiben. Jegliche Garantiekosten entfallen komplett. Das Potenzial liegt also in einer maximalen Performance des Vertrags.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Wertentwicklungen von 3, 6 oder sogar 9 Prozent pro Jahr, wie wir sie in Hochrechnungen verwenden, alles andere als unrealistisch sind. Nur garantiert sind sie eben nicht.

Redaktion: Was sind aus Ihrer Sicht gerade bei langfristigen Sparprozessen Argumente dafür, Risiken in Kauf zu nehmen?

Dr. Winfried Gaßner: Das DAX-Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts zeigt anschaulich, dass eine Investition in den DAX seit 1968 bei einem Anlagehorizont von über zehn Jahren praktisch immer zu positiven Renditen geführt hat, unabhängig vom Einstiegszeitpunkt.

Eine Studie des IfA-Instituts Ulm geht davon aus, das die Wertentwicklung von Aktien hoch korreliert mit der langfristigen Inflation im selben Wirtschaftsraum. Trifft dies zu, führt eine fondsgebundene Versicherung sehr wahrscheinlich zu einer positiven Entwicklung des Realwerts der eingezahlten Beiträge.

Letztlich verstehe ich aber jeden Kunden, der eine nominale Garantie seiner eingezahlten Beiträge will gemäß der Redensart „Lieber der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach!

Mit WWK IntelliProtect 2.0 profitieren auch sicherheitsorientierte Kunden von den Chancen der Kapitalmärkte, ohne auf das Garantieelement verzichten zu müssen. Die historischen Wertentwicklungen in Echtverträgen sind auch in diesem Garantieprodukt beeindruckend – und das trotz aller eingangs erwähnten Finanzkrisen.

Redaktion: Welches Fazit ziehen Sie daraus? Ist die WWK gut aufgestellt?

Dr. Winfried Gaßner: Ich glaube, das Erfolgsgeheimnis eines Versicherers ist es in der heutigen Zeit, dass je nach Risikobereitschaft des Kunden das passende Produkt zur Wahl steht: Mit unserer Premium Fondsrente 2.0 und IntelliProtect 2.0 sehe ich das Produktportfolio der WWK daher zukunftsfest ausgerichtet.

Titelbild: © WWK

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Stephanie Gasteiger
Stephanie Gasteiger
Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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Bereichsleiter Marketing & Organisationsdirektor Partnervertrieb der WWK

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