Diversity: Welche Chancen bietet sie Unternehmen?

Diversity hat sich als festes Thema in Wirtschaft und Politik etabliert. Doch was steht dahinter? Und welche Vorteile hat Diversity für Unternehmen?

Diversity im Überblick

Doch was ist unter dem Konzept „Diversity“ zu verstehen? Schlicht übersetzt bedeutet es „Vielfalt“. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert Diversity (im Deutschen auch Diversität) als einen Ansatz zur Verminderung von Benachteiligung und als Anstrengung, mehr Chancengleichheit zu erreichen. Dabei spielen zum Beispiel ethnische, politische, kulturelle, weltanschauliche, körperliche und soziale Aspekte eine Rolle. Ihren Kern hat das Oberthema Diversity laut Gabler in den Vereinigten Staaten von Amerika, konkret in der Bürgerrechtsbewegung gegen Rassismus im vergangenen Jahrhundert. Die Gleichstellung von Frauen in der westlichen Welt gilt ebenfalls als fester Bestandteil von „Diversity“-Bemühungen. In der westlichen Welt konzentriert sich das Thema auf höhergestellte Posten, etwa in der Politik oder im mittleren bis hohen Management, wo Frauen deutlich in der Unterzahl sind. Ein Beispiel dafür liefert der Bankensektor. Dem Banking Hub zufolge besteht hier Luft nach oben: Die Vorstände der 100 größten Banken in Deutschland haben einen Frauenanteil von etwa zehn Prozent.

Anfänge der Diversity

Ein Bestandteil von dem, was wir heute als Diversity kennen, kann als Ausläufer der Bürgerrechtsbewegung im Amerika der Sechzigerjahre gelten. „The civil rights movement was a struggle for social justice“, schreibt etwa History dazu. Die schwarzamerikanische Bevölkerung versuchte, dieselben im Gesetz verankerten Rechte zu erlangen wie die weiße Mehrheitsbevölkerung. In Deutschland äußert sich das ähnlich, nur dass hier der Fokus nicht unbedingt auf Zuwanderern einer bestimmten Hautfarbe liegt.

Weiterhin gehört auch die Frauenrechtsbewegung des späten 19. Jahrhunderts zu den Wurzeln der „Diversity“-Bemühungen der Gegenwart. Themen wie das Wahlrecht und gleiche Bezahlung waren Kernthemen der Frauenbewegungen, sowohl in den USA als auch in Europa. In Deutschland war die „neue Frau“ ab der Weimarer Republik als Konsumentin etabliert.

Vorteile von Diversity

In der breiten Debatte hat sich das Stichwort Diversity – ganz ähnlich der Nachhaltigkeit – fest etabliert. Vor allem die jüngere Generation (auch Gen Z genannt) misst der Vielfalt eine höhere Bedeutung bei als ihre Vorgängergenerationen. Eine Studie der Kommunikationsagentur LEWIS legt offen, dass eine Vielzahl der jüngeren Deutschen wichtige Berufsentscheidungen auch von Diversity abhängig machen.
67 Prozent halten Unternehmenswerte für wichtiger als der CEO oder andere Führungskräfte es tun.

DEI-Programme (Diversity, Equity, Inclusion) sind Gamechanger für die Berufswahl.
Und 46 Prozent gaben an, dass sie bei gleicher Qualifikation zweier Kandidaten dafür wären, dass der Kandidat mit „diversem“ Profil die Stelle bekommt.

„Es ist klar, dass die Gen Z Werte über alles andere stellt – Unternehmen, die das nicht verstehen oder widerspiegeln, werden es schwer haben, die besten Talente zu akquirieren und zu halten.“ – Chris Lewis, CEO von LEWIS, in einer Pressemeldung

Das erwarten Unternehmen von Diversity

Das zieht die Frage nach sich, welchen Zweck Diversity in Unternehmen überhaupt hat. Genau das wollte PricewaterhouseCoopers (pwc) wissen und hat bei CEOs aus dem Financial Services Sektor nachgefragt. 85 Prozent der Befragten gaben an, eine höhere Performance des Unternehmens zu erwarten, wenn man „divers“ einstelle. 80 Prozent argumentierten dagegen mit einer Stärkung der Marke und der Unternehmensreputation. 79 Prozent erhofften sich dadurch eine höhere Kundenzufriedenheit und drei Viertel (75 Prozent) sehen in Vielfalt einen besseren Nährboden für Zusammenarbeit.

In einem Forbes-Aufsatz zum Thema Diversity schrieb Brett Steenbarger, dass eine höhere Diversität im Arbeitsumfeld eine größere Vielzahl unterschiedlicher Fähigkeiten und Perspektiven mit sich bringe. Ihm zufolge sorgt ein höherer Frauenanteil für neue Ansätze in den Bereichen Zusammenarbeit und Risikomanagement, was zusammengenommen einen positiven Einfluss auf das Unternehmenswachstum und -einkommen hat. Unternehmen mit der größten Vielfalt im Team (hinsichtlich der Zusammensetzung von Rassen und Ethnien sowie Geschlecht) seien um einiges profitabler als die Konkurrenz.

Status Quo

Doch was genau können Unternehmen für „Diversity“ tun? Die Charta der Vielfalt listet zum Beispiel Arbeitsortflexibilisierung, die Förderung von Mitarbeiternetzwerken (etwa für Frauen oder Migranten), mehr Diversity in der Zielgruppenansprache, Diversity-Kriterien bei der Auswahl von Bewerbern oder auch Diversity bei der Produktentwicklung und Lieferantenauswahl auf. Einer Studie der Charta der Vielfalt zufolge haben sich zwei Drittel der deutschen Unternehmen noch nicht mit Diversity-Maßnahmen befasst.

Dabei gilt es für Unternehmen vorsichtig vorzugehen. Denn das Grundgesetz verbietet eine Bevorzugung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Rasse oder Abstammung. Ansätze wie die Frauenquote oder „Affirmative Action“, wie sie in den USA praktiziert wird, können darum selbst schnell in eine Art „Gegen-Diskriminierung“ abrutschen. Und dann von der Justiz kassiert werden.

Zukunft

Ob sich das Thema künftig in einer größeren Zahl von Unternehmen durchsetzen wird, ist unklar. Zwar zeigt gerade die jüngere Generation ein hohes Interesse bezüglich Vielfalt, doch wie eine großangelegte Studie von McKinsey im Mai 2020 offenlegte, verändern sich die Unternehmen nur langsam. Zwei Drittel der seit 2014 analysierten Unternehmen hätten keinen Fortschritt gemacht, im Gegenteil, ein Drittel hätte sich sogar verschlechtert. 33 Prozent konnten sich verbessern, teilte der Unternehmensberater mit.

„Homogene Führungsteams haben es schwer, passende Antworten auf diese Veränderungen zu finden.“ – Julia Sperling, McKinsey-Partnerin

Titelbild: ©BalanceFormCreative / stock.adobe.com

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Lars Nievelstein
Lars Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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