Olympia: Zwischen Preis und Prestige

Wir werfen anlässlich des 6. Aprils, dem Welt-Olympiatag, einen Blick auf eine ganz eigene Disziplin dieser Veranstaltung: Den Spagat zwischen Ansehen des Austragungsortes und dem finanziellen, wie oft auch menschlichen, Tribut, den die Olympischen Spiele zollen.

Von Göttern und Betrügern

Olympia, ein Ort auf der griechischen Halbinsel Peloponnes, verlieh den Olympischen Spielen im Jahr 776 vor Christus ihren Namen. Die Griechen veranstalteten dort zu Ehren der Götter einen Stadionlauf, dessen Name zu dieser Zeit nicht etwa dem Austragungsort zuzuschreiben war, sondern als Maßeinheit (etwa 192,28 Meter) galt. Ab 724 vor Christus maßen sich die, zunächst ausschließlich jungen Athener griechischer Abstammung, dann zunächst in weiteren Laufdisziplinen der Sportveranstaltung. Erst anschließend hielt der antike Fünfkampf Einzug. Ein gegenseitiges Messen in den Disziplinen Diskuswurf, Weitsprung, Speerwerfen, Laufen und Ringen. Bei Ergänzung der Spiele um Pferdewettkämpfe, 680 vor Christus, dauerten die Olympischen Spiele sechs Tage an.

Während zur Anfangszeit der Spiele noch die Feier für die Götter im Vordergrund stand, gewann der Sport über die Jahre nach und nach an Bedeutung. Ein noch heute prominenter Sportler seiner Zeit: Kaiser Nero. Er gewann – allerdings nur durch Bestechung – in sechs Disziplinen. Eine Tradition, die sich festigte. Da dem Sieger der Spiele Ruhm und Ehre zu Teil wurde, galt das Betrügen schon damals oft als Teil der Spiele.

Neuauflage der Olympischen Spiele

Wer nun denkt, die Olympischen Spiele gibt es seit jeher, der irrt sich allerdings. Kaiser Theodosius verbot „die heidnische Kunst“ im Jahr 394 nach Christus. Einem glücklichen Timing ist zu verdanken, dass die Spiele im Jahr 1894 wieder auflebten: Pierre de Coubertin, ein sportbegeisterter Pädagoge, erfuhr vom Fund der Stadt Olympia durch den deutschen Archäologen Ernst Curtis Reste. Coubertin versammelte daraufhin Sportbegeisterte, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) gründeten. Im zweiten Jahr der Neuauflage durften neben den männlichen Sportlern bereits Frauen teilnehmen. Die Disziplinen: Tennis und Golf. Inzwischen kämpfen beide Geschlechter in 33 Sportarten gegeneinander.

Ruhm und Ruin

Zwar war ein olympischer Sieg in der Antike weitreichender als aus heutiger Sicht – die Gewinner lebten bis an ihr Lebensende auf Staatskosten – olympische Medaillen zu ergattern ist jedoch auch heute noch ein ehrbares wie auch erstrebenswertes Ziel für jeden Sportler.

Dem DOSB zufolge steckt hinter der Olympischen Idee „eine Geisteshaltung, die auf  der Ausgewogenheit von Körper und Geist beruht“. Des Weiteren heißt es: „Ziel der Olympischen Bewegung ist es, zum Aufbau einer friedlichen und besseren Welt beizutragen und junge Menschen im Geiste von Freundschaft, Solidarität und Fair Play ohne jegliche Diskriminierung zu erziehen.“

Doch was sehr ehrbar klingt, ist nicht zwangsläufig nur positiv zu betrachten. Die Sportler, teils sehr junge Athleten, stehen unter großem Druck. Sie repräsentieren nicht nur sich, sondern auch ihre Sportart sowie eine ganze Nation. Anforderungen, die sich, wie bei der erst 15-jährigen Kamila Walijewa, in Doping oder nervlichem Versagen äußern. So zerbrach während ihres Eiskunstlaufs nicht nur eine Sportlerkarriere vor den Augen der Welt.

Die oft lockere Handhabung des IOC gegenüber solchen Fällen kritisieren auch der frühere Leichtathletikchampion und deutsche Goldmedaillengewinner Florian Hambüchen. In einem Interview mit dem Stern äußert er in Bezug auf das russische Staatsdoping in früheren Fällen: „Ich bin eigentlich kein Fan davon, alle zu verbannen, aber wenn zuverlässige Dopingkontrollen nicht gewährleistet werden, muss man vielleicht eine ganze Nation sperren. Auf den Tisch hauen. So geht es einfach nicht weiter.“

Skandalträchtige Austragungsorte

Doch nicht nur für die Sportler ist eine Teilnahme an den Olympischen Spielen prestigeträchtig. Auch für die austragenden Länder bringt die Veranstaltung viel Aufmerksamkeit mit sich. Der Vorwurf gegenüber dem IOC: Es ginge nur um Geld. Und tatsächlich brachte die Wahl beinahe jedes kürzlich vergangenen Austragungsortes Kritik und Schlagzeilen mit sich:

„Unfertige Stadien und soziale Ungleichheit bei den Olympischen Spielen in Rio 2016. Man fragt sich da zwangsläufig, ob die Marketingpartner noch das erreichen, was sie erreichen wollen und ob ein positiver Image-Transfers überhaupt noch möglich ist“, so Sebastian Uhrich,  Leiter der Abteilung Sportbetriebswirtschaftslehre am Institut für Sportökonomie und Sportmanagement der Sporthochschule Köln, gegenüber der Wirtschaftswoche.

Die Verantwortlichen wirken ihrem unglücklichen Standpunkt nicht gerade entgegen. Für die Olympischen Winterspiele 2022 wählte das IOC Peking aus. Dabei steht Chinas Politik unter scharfer Kritik. Es herrschen weder Meinungs-, noch Presse- oder Religionsfreiheit. Minderheiten werden unterdrückt, fasst die Tagesschau zusammen. Die Folge: Einige Länder schickten keine Regierungsvertreter zu den Spielen nach Peking.

Eine weitere Herausforderung könnte neben einem sauberen Image der Veranstalter lauten, klimatisch tragbare Austragungsorte für die Olympischen Winterspiele zu finden. Laut Geografen wird die Suche zunehmend durch den Klimawandel erschwert. Ein Punkt, an dem das IOC einhakt. Denn neben all dem Imageschaden, mit dem der Verband immer aufs Neue zu kämpfen hat, sollen die Olympischen Spiele zukünftig zumindest klimatisch sauber werden.

Titelbild: © f11photo/stock.adobe.com

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