Fairplay, nicht nur im Sport: Christina Schinz über die WWK als Fair Company

Fair Company ist die größte und bekannteste Arbeitgeberinitiative Deutschlands, die sich nachhaltig für eine faire Arbeitswelt – mit Schwerpunkt auf jungen Talenten – einsetzt. Im Frühjahr dieses Jahres zeichnete sie die WWK als fairen Arbeitgeber aus. 

Christiane Schneider, Bereichsleiterin Personal und Thomas Heß, Marketingchef und Organisationsdirektor Partnervertrieb, bekräftigen: “Die Auszeichnung zeigt eindrucksvoll unsere Stärken als innovativer Arbeitgeber mit der besonderen, auf dem Ideal gegenseitiger Wertschätzung und Hilfe basierenden Unternehmensphilosophie eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit.”
Wir sprechen mit Christina Schinz, Projektleiterin der Fair Company Initiative, über die Hintergründe Deutschlands größter und bekanntester Arbeitgeberinitiative. 

Redaktion: Frau Schinz, wie definieren Sie Fairness? Gibt es für den Berufsalltag eine andere Definition als im privaten Bereich?

Christina Schinz: Fairness hat viel mit den eigenen Werten zu tun, die auch in der jeweiligen Gesellschaft gelten. Daher denke ich, bei uns unterscheiden sich Fairness im beruflichen und privaten Kontext gar nicht so sehr. Es zählen zum Beispiel Ehrlichkeit, Transparenz, die Verbindlichkeit von Aussagen oder Zusagen, Gleichbehandlung, Teilhabe und die Möglichkeit, mitzugestalten, der Wunsch nach Wertschätzung und Förderung/Unterstützung.

Neben dem Umgang miteinander geht es aber auch um das Verhalten gegenüber Umwelt und Gesellschaft. 

Hier sieht man gut, wie das Thema Fairness in allen Lebensbereichen bewusst ist und insbesondere junge Menschen auch für sich Konsequenzen ziehen und etwa ihr Ernährungs- oder Einkaufsverhalten ändern. In der Arbeitswelt können wir das auch beobachten. 

Wenn Mitarbeitende sich nicht identifizieren können oder die Unternehmenswerte nur vorgegeben, aber nicht gelebt werden, orientieren sie sich um. Gerade in einem starken Arbeitnehmermarkt.

Redaktion: Mit welcher Intention und für wen haben Sie die Fair Company Initiative gegründet?

Christina Schinz: Die Fair Company Initiative gibt es schon sehr lange. Sie wurde 2004 vom Handelsblatt gegründet, um auf den Trend der „Generation Praktikum“ zu reagieren und faire Bedingungen für den Nachwuchs zu schaffen. Im Fokus standen junge Akademiker, die trotz guter Ausbildung keine feste Stelle erhielten und als Praktikanten eingesetzt wurden, oft sogar ohne Vergütung.


Heute ist der Arbeitsmarkt ein ganz anderer, die Unternehmen müssen sich genauso bei den Kandidaten bewerben. Daher betrachtet die Initiative heute Fairness in vielen Dimensionen und richtet sich zudem an alle Berufseinsteiger und Young Professionals. 

Redaktion: Wie nehmen Unternehmen an der Initiative teil? Und welche Kriterien müssen sie erfüllen?

Christina Schinz: Für die Prüfung als Fair Company arbeiten wir mit einem wissenschaftlichen Partner zusammen, dem Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) unter der Leitung von Prof. Dr. Jutta Rump. Bewertet werden unter anderem Kriterien wie Arbeitsorganisation, Zusammenarbeit und Führung, Unternehmenskultur und Werte, das Engagement für Mitarbeitende, Diversity und Chancengleichheit, faires Verhalten im Mark sowie gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit.


Nur wenn die Anforderungen in allen Dimensionen erfüllt sind, gilt ein Unternehmen als ausgezeichnete Fair Company und kann Mitglied der Initiative werden.

Redaktion: Führen Sie uns durch das Bewertungsverfahren. Wie läuft dieses ab?

Christina Schinz: Die Prüfung durch das IBE findet online statt und erfolgt entlang eines Fragenkatalogs, der eigens für Fair Company entwickelt wurde. Dieser umfasst über 100 Fragen in 11 Fairness-Dimensionen, die die Unternehmen durchlaufen. Das IBE prüft jeden Eingang genau, wertet die Angaben aus und gibt der Fair Company Initiative ein – im Idealfall positives – Signal.


In der Auswertung sehen die Unternehmen dann ihren eigenen Wert sowie einen Benchmark, um sich insgesamt und in den einzelnen Bereichen einzuschätzen. So erfahren die Unternehmen, wie attraktiv sie für junge Talente sind, wo Stärken liegen oder auch, wo man noch ein wenig nachsteuern kann.      

Redaktion: Wonach richten sich Ihre Bewertungsstandards?

Christina Schinz: Hinter dem Fragenkatalog für die Fair Company Initiative steht die Expertise und Forschung des IBE, zu dessen Tätigkeitsschwerpunkten unter anderem Trends der Arbeit, Demografiemanagement, Generationenmix und Arbeitgeberattraktivität zählen. 

Aus zwei umfassenden Analysen des Instituts, zum Begriff Fairness und zu den Werten der Generation Y und Generation Z, leiten sich die Erwartungen ab, die heutige Berufseinsteiger und Young Professionals an einen fairen, attraktiven Arbeitgeber haben. 

Redaktion: Warum ist für teilnehmenden Unternehmen eine entsprechende Auszeichnung von Bedeutung? Wie heben sie sich damit vom Arbeitsmarkt ab?

Christina Schinz: Wir sind mitten im demographischen Wandel und erleben dadurch einen Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Im Corona-Jahr sind diese Entwicklungen in den Hintergrund geraten, aber sie sind weiter da. Inzwischen hat der Arbeitsmarkt wieder angezogen, die Nachfrage betrifft fast alle Branchen und Bereiche. Unternehmen konkurrieren schon jetzt um neue Talente – die zugleich hohe Ansprüche, auch ethischer Art, an einen Arbeitgeber haben.


Vielleicht hat sich das in der Pandemie sogar noch verstärkt, weil zu dieser Zeit viele Menschen ihre eigenen Werte reflektiert und entschieden haben, wie sie künftig arbeiten möchten. 

Aktuellen Studien zufolge ist die Wechselbereitschaft derzeit extrem hoch. Für Unternehmen ist es daher umso wichtiger, faire und attraktive Bedingungen zu bieten und diese auch zu belegen.


Für Bewerber bietet die Auszeichnung als Fair Company Transparenz und Orientierung, indem wir bestimmte Kriterien bereits vorab prüfen. Im Fair Company Netzwerk finden sie Unternehmensprofile und auch gleich die offenen Stellen. So kann man auch Arbeitgeber entdecken, die man vielleicht aufgrund der Branche, Größe oder Region nicht kannte, die aber spannende Möglichkeiten bieten.

Redaktion: Lassen Sie uns einen Blick in die Kristallkugel werfen: Wie wichtig werden entsprechende Initiativen für den Arbeitsmarkt der Zukunft?

Christina Schinz: Der Mensch wird immer mehr zur wichtigen „Ressource“ und der Erfolg der Unternehmen mit davon abhängen, die richtigen Mitarbeitenden und Kompetenzen zu finden – und dauerhaft zu binden. Das funktioniert nur, wenn Fairness wirklich gelebt wird. 

Wer die Themen nur zur Rekrutierung oder für Social Media nutzt, wird sehr schnell scheitern.

Zudem ist es hilfreich, häufiger einen Abgleich vorzunehmen. Die Mitglieder der Fair Company Initiative haben beispielsweise die Möglichkeit, ein Feedbacktool zu nutzen und ihre Berufseinsteiger und Young Professionals im Unternehmen zu befragen. Zusammen mit dem IBE nehmen wir regelmäßig eine Gesamtauswertung vor und stellen den Unternehmen auch ihre individuelle Auswertung zur Verfügung, in der sie neben dem eigenen Ergebnis wieder den Benchmark sehen.


Für die Unternehmen ist das eine Chance, sich stetig zu verbessern, auf geänderte Anforderungen oder Feedback zu reagieren und andersherum ihre Stärken als Arbeitgeber noch viel mehr nach außen zu zeigen.

Unsere Umfrage aus 2020/21 mit 2.000 Fair Company Bewertungen von Praktikanten, Werkstudenten, Direkteinsteigern und Young Professionals ergab, dass 96 Prozent ihr Unternehmen als Arbeitgeber weiterempfehlen würden. Das zeigt, wie gut sich die Unternehmen auf coronabedingte Rahmenbedingungen und Herausforderungen eingestellt und auch in Krisenzeiten sehr fair agiert haben.

Redaktion: Inwieweit hat sich Corona generell auf die Erwartungshaltung der Bewerber ausgewirkt?


Christina Schinz: Mit dem Schub durch Corona ist die Arbeitswelt weiter im Wandel. Bestimmte Erwartungen bezüglich flexibler Arbeitsmodelle oder der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gab es schon vorher, mit dem „New Normal“ oder Remote Work werden die Anforderungen weiter steigen. Genauso die Erwartungen in Bezug auf nachhaltige Unternehmen. Was einen fairen und attraktiven Arbeitgeber auszeichnet, wird sich stetig entwickeln, was ich sehr spannend finde.

Mehr Informationen zur Initiative finden Interessierte unter https://faircompany.handelsblatt.com oder per Mail an kontakt@faircompany.de.

Titelbild © Christina Schinz/Fair Company

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Stephanie Gasteiger
Stephanie Gasteiger
Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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