#Schattenfamilie: Familien mit chronisch kranken Kindern in der Pandemie

Die Corona-Pandemie scheint kein Ende zu nehmen. Besonders betroffen: Familien mit Kindern, die eine chronische Erkrankung haben und für die eine Corona-Infektion lebensgefährlich sein könnte. Unter dem Hashtag #Schattenfamilie machen sie auf ihre Ausnahmesituation aufmerksam.

„Meine Frau musste ihren Job aufgeben“

„Wir sind eine #Schattenfamilie. Das war mir vor der Pandemie nicht so bewusst. Aber jetzt findet das Leben so offensichtlich ohne uns statt. Wir schauen zu, wie andere Familien trotz Pandemie: Familienfeiern veranstalten, Geburtstage feiern, in den Urlaub fahren, sich mit Leuten treffen, Veranstaltungen besuchen, ihren Hobbys nachgehen, sorglos ihre Kinder in Schule und Kita schicken…“, schreibt die Twitter-Nutzerin „DieSarah“ im Dezember.

Für Familien, deren Kinder eine Behinderung oder eine chronische Erkrankung haben, bedeutet die Ausbreitung des Coronavirus Isolation – und zwar komplett, für lange Zeit und ohne Unterbrechungen.

„Wir haben alles unternommen, um zu verhindern, dass meine schwerbehinderte Tochter an Corona erkrankt. Wir haben unsere Kinder seit dem Corona-Ausbruch, bis sie geimpft waren, zu Hause beschult – das ist ein Full Time-Job gewesen. Meine Frau musste ihren Job aufgeben. Auch meine Arbeit wurde beeinträchtigt, weil ich viele Kunden dadurch verlor, dass ich keine Termine mehr wahrnehmen konnte. Der Schaden ging bei uns ungefähr in die Höhe von 100.000 Euro – als Kompensation haben wir etwa 120 Euro mehr Kindergeld bekommen“, erzählt ein frustrierter Vater dem Magazin Watson. Viele Maßnahmen der Regierung gehen an Familien mit chronisch kranken oder behinderten Kindern vorbei, findet er.

Welche Erkrankungen bei Kindern ein erhöhtes Risiko schaffen

Unterricht mit anderen Kindern im Klassenraum ist für die betroffenen Kleinen ein Risiko, das die Eltern nicht eingehen können. Aber auch die Gefahr einer Ansteckung durch die Eltern oder das Geschwisterkind ist groß. Deshalb muss sich die gesamte Familie stark isolieren und kann oft ihren bisherigen Tätigkeiten nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt nachgehen. Sie sind auch auf die Solidarität der Gesellschaft angewiesen und darauf, dass sich alle an die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie halten.

Nun wurden im Dezember in Deutschland Corona-Impfungen für fünf- bis elfjährige Kinder gestartet. Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für Kinder mit Vorerkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für eine schwer verlaufende Corona-Infektion mit sich bringen. Außerdem sollen sich laut STIKO auch Kinder impfen lassen, deren Angehörige ein hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben, wenn diese sich selbst nicht impfen lassen können oder sie keinen ausreichenden Impfschutz ausbilden können.

Dabei hat die STIKO auch definiert, welche Erkrankungen bei Kindern (Fünf- bis Siebzehnjährige) als Risikofaktor gelten:

  • Adipositas (> 97. Perzentile des Body-Mass-Indexes)
  • angeworbene oder erworbene Immundefizienz oder relevante Immunsuppression
  • angeborene zyanotische Herzfehler mit einer Sauerstoffsättigung in Ruhe unter 80 Prozent sowie Einkammerherzen nach Fontan-Operation
  • chronische Lungenerkrankungen mit einer anhaltenden Einschränkung der Lungenfunktion unterhalb der 5. Perzentile, definiert als z-Score-Wert < –1,64 für die forcierte
  • Einsekunden-Kapazität (FEV1) oder Vitalkapazität (FVC)
  • schweres oder unkontrolliertes Asthma bronchiale
  • chronische Nierenerkrankungen chronische neurologische oder neuromuskuläre Erkrankungen
  • Diabetes mellitus, wenn nicht gut eingestellt beziehungsweise mit einem HbA1c-Wert > 9,0 Prozent
  • schwere Herzinsuffizienz
  • schwere pulmonale Hypertonie
  • syndromale Erkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung
  • Trisomie 21
  • Tumorerkrankungen und maligne hämatologische Erkrankungen

Eine Impfung könnte #Schattenfamilien nun das Leben erleichtern, auch wenn angesichts der Varianten nicht klar ist, wie die Pandemie weiter verlaufen wird. Von der Politik wünscht sich eine Mutter gegenüber Watson, dass „mit uns gesprochen würde – gefragt würde, was wir brauchen, nicht einfach so getan würde, als ob wir nicht existieren!“

Titelbild: © Halfpoint/stock.adobe.com

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Stephanie Gasteiger
Stephanie Gasteiger
Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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