Nicht flauschig aber selten: Einhörner unter den Unternehmen

Einhörner sind die edelsten Fabelwesen, die seit dem Mittelalter das Gute verkörpern. Zudem sind sie besonders selten. Während ihre Symbolik Reinheit, Unschuld und Freiheit verkörpert, haben sie inzwischen auch eine weitere Bedeutung für sich gewonnen: Als Start-ups, die mit einem Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar noch nicht an der Börse gelistet sind.

Fabelhafte Unternehmen

Etabliert hat sich der Begriff der Einhörner im wirtschaftlichen Kontext bereits im Jahr 2010. Damals war er noch mehr als gerechtfertigt, der Name Programm. Einhörner hatten wie ihre Namensvetter größten Seltenheitswert. Das sieht inzwischen anders aus. Capital zufolge kommt Deutschland alleine inzwischen auf etwa halb so viele Einhörner, wie 2013 noch weltweit gesamt vertreten waren.

Und nicht nur in der Bundesrepublik wächst die Zahl der wirtschaftsstarken Start-ups. Nach letzten Werten der New Yorker Analyseplattform CB Insights im August 2021 existierten exakt 804 Einhörner über den Globus verteilt. Ein Gesamtwert von insgesamt 2,6 Billionen US-Dollar. Deutschland trägt hierzu gleich 16 Start-ups im Wert von mindestens einer Milliarde US-Dollar bei. Die Vorreiter der Einhörner, zu englisch Unicorns, sind die USA. Mit 411 entsprechenden Start-ups zählen sie fast die doppelte Anzahl erfolgreicher Unternehmen entsprechender Größenordnung, als China (211 Einhörner). Deutschland ist zwar im internationalen Vergleich klein, kann sich gegenüber europäischen Mitbewerbern aber durchaus sehen lassen. Es liegt vor dem europäischen Mittelfeld Frankreich (elf) und Schweden (vier).

Ist der Name „Einhorn“ noch Programm?

Im Schnitt etablieren sich weltweit zwei „Soonicorns“, also junge Unternehmen, die auf dem besten Weg sind „soon“, zu deutsch „bald“, ein Einhorn zu werden, als milliardenschweres Start-up. Doch sind Einhörner denn dann überhaupt noch etwas Besonderes? Ist der Name angesichts dieser Zahlen überhaupt noch gerechtfertigt? Gesa Miczaika, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Start-up-Verband, argumentiert im Interview mit Capital wie folgt:

„Für Deutschland ist jedes Unicorn eine Auszeichnung. Denn Start-ups und Scale-ups sind Jobmotoren! Das Job-Potenzial ist gewaltig. In den USA hätte es seit den 1980er-Jahren ohne Gründungen kein Netto-Jobwachstum gegeben. Wenn es gelingt, in Deutschland den Anteil der Mitarbeitenden von Startups und Scaleups an der Gesamtbevölkerung auf das Niveau von Schweden zu bringen, würde sich die Zahl der von Startups und Scaleups geschaffenen Arbeitsplätze hierzulande mehr als verdoppeln; wird das Niveau von den USA erreicht, bedeutet das die Schaffung von mehr als 3 Millionen neuen Arbeitsplätzen.“

Auch die Gründe für das schnelle Wachstum sei einfach erklärt: die stärkere Verbreitung von Internetzugängen, die Verfügbarkeit von skalierbaren und globalen Softwarelösungen sowie der massive Anstieg von Risikokapital-Investitionen.

Bunte Vielfalt

Und wer sind nun die Unternehmen, die trotz Start-up Dasein eine solche Wirtschaftskraft besitzen? International wie auch in Deutschland stehen weit vor Unternehmen wie Flix, Zalando oder Gorillas vor allem Banking-Start-ups sowie Fintechs auf den Listen der Einhörner. So zählt mit einer Bewertung von 5,3 Milliarden Dollar beispielsweise der Neo-Broker Trade Republic zu den Top-Unternehmen im Ranking. Das einzige Deutsche Unternehmen, das es bis unter die Decacorns, also Einhörner mit einem Wert von mindestens zehn Milliarden Dollar, geschafft hat, ist Celonis. Das Münchener Softwareunternehmen war im Juni 2016 mit einer ersten Finanzierungsrunde in Höhe von 27,5 Mio. Dollar in den Markt eingestiegen. Seit Juni 2021 liegt der Wert bei mehr als elf Milliarden US-Dollar.

Experten zufolge soll der Finanzierungsboom der Einhörner auch zukünftig noch andauern. Das ist zwar einerseits gut für die einzelnen Unternehmen, könnte jedoch zu einer Blase führen, die Wetten auf Start-ups nährt, welche unter normalen Umständen keine solche Finanzierung erhalten würden. Zunächst lässt sich jedoch sagen: Die deutsche Gründerszene floriert und profitiert von den fabelhalten Unternehmen.

Titelbild: © Southworks/stock.adobe.com

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Stephanie Gasteiger
Stephanie Gasteiger
Mitglied der NewFinance-Redaktion mit beruflichem Hintergrund in der PR und Wurzeln am Chiemseeufer. Ist ganz nach Friedrich Nietzsche davon überzeugt, dass die Glücklichen neugierig sind. Und ebenso umgekehrt.

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