Altersvorsorge im Vergleich: „Biometrische Verzinsung ist das Geilste, was es gibt“

Die Altersvorsorge ist bereits seit Jahren ein großes Thema in Politik und Wirtschaft. Nun ist das System bedroht. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich. Um welche Risiken handelt es sich dabei und wie geht die WWK damit um? Wir haben mit Stefan Otto gesprochen, dem Vertriebsdirektor der WWK in Österreich.

Redaktion: Herr Otto, welche Vorteile hat das österreichische Altersvorsorgesystem gegenüber dem Deutschen?

Stefan Otto: Es gibt hier zweierlei Vorteile: In Österreich dürfen wir früher in Pension gehen als die Deutschen und wir erhalten höhere Pensionen. Darin stecken allerdings gleichzeitig große Nachteile. Unser Pensionssystem ist, gelinde gesagt, gerade auf dem Weg in eine Sackgasse, wenn es so weitergeht wie jetzt gerade.

Redaktion: Welche sind aus Ihrer Sicht die signifikantesten Unterschiede?

Stefan Otto: Zum Beispiel dürfen die Frauen bei uns schon mit 60 in Pension gehen. Bis 2033 soll das Renteneintrittsalter der Frauen schrittweise auf das 65. Lebensjahr steigen. Bei den Männern haben wir es jetzt erst auf 65 angehoben. In Österreich gibt es außerdem eine Versicherungssteuer.

Redaktion: Welche sind die größten Risiken für beide Modelle?

Stefan Otto: Ein großes Risiko ist auf jeden Fall die demografische Entwicklung in Österreich. Ganz grob gesagt, zahlen gerade 1,8 Arbeitnehmer für einen Pensionisten. Im Jahr 2060 werden wir bei dem Stand sein, dass ein Arbeitnehmer für einen Pensionisten zahlt. Entweder müssen wir also unsere Pensionen senken oder die Beiträge erhöhen, damit das System in dieser Form bestehen bleiben soll. Nicht umsonst hat bereits 2009 unser damaliger Sozialminister gesagt: „Wer mehr als die Existenzabsicherung haben will, der muss privat vorsorgen.“ Ein anderer Punkt ist die wachsende Langlebigkeit.

Redaktion: „Deutschland kann bei der Rente viel von Österreich lernen“, titelte die Süddeutsche im Januar 2020. Wieviel Wahrheit steckt darin?

Stefan Otto: Ich sagte ja eingangs, dass wir durchaus Vorteile in Österreich haben, was die Altersvorsorge angeht. Zum Beispiel beträgt die durchschnittliche Rente in Österreich etwa 1.500 Euro. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass Deutschland von Österreich lernen kann. Nehmen wir mal als Beispiel die Beitragserhöhung, die ich eben erwähnt habe. Da gäbe es nämlich doch noch eine Alternative: Die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Da ist Deutschland uns bereits voraus.

Redaktion: Also kann Österreich eher von Deutschland lernen?

Stefan Otto: Ja und nein. Sagen wir mal so: Beide Systeme sind in ihrer jetzigen Form auf lange Sicht nicht tragbar.

Redaktion: Auch wegen des demografischen Wandels.

Stefan Otto: Genau. Viele dachten ja, jetzt mit Corona käme ein neuer Baby-Boom, aber der ist nach aktuellsten Zahlen ausgeblieben. Im Gegenteil: Corona hat genau das Gegenteil bewirkt. In Österreich hatten wir sogar einen Geburtenrückgang. Auf lange Sicht bedeutet das: Noch weniger Arbeitseinsteiger, noch weniger Einzahler für unser Pensionssystem. Ein Vorteil der Deutschen sind allerdings auch ihre Politiker.

Redaktion: Warum?

Stefan Otto: Die Politik in Deutschland sagt ihren Bürgern ganz klar: Leute, ihr müsst privat vorsorgen. Wer in Form von Bankeinlagen, Aktien, Fonds und dergleichen Geld anlegt, muss dort ab einer gewissen Höhe der Kapitalerträge Abgeltungssteuer zahlen. Und Renten in Deutschland sind seit 2005 nachgelagert besteuert. In Österreich ist das anders. Da kann man sich am Ende der Laufzeit die Lebensversicherung auszahlen lassen, ohne Einkommenssteuer, Kapitalertragssteuer oder ähnliches zu zahlen. Da gibt es dagegen eine vier-prozentige Versicherungssteuer auf Produkte in der Lebensversicherung. Dann gönnt man sich eine Weltreise und danach – darüber machen sich leider noch nicht genug Menschen Gedanken. Das war’s. In Österreich fehlt oftmals das Verständnis der Kunden für den demografischen Wandel. Sie sind darauf bedacht, sich so viel Rente auszahlen zu lassen wie möglich, meinetwegen alles auf einmal, und rechnen dann gar nicht damit, wie alt sie werden.

Redaktion: Inwiefern unterscheiden sich die Produkte der WWK in Deutschland und Österreich?

Stefan Otto: In Österreich haben wir komplett andere Tarife als in Deutschland. Zum Beispiel müssen wir in Österreich in jeden Tarif die Versicherungssteuer einbauen, die es ja in Deutschland nicht gibt. Dadurch haben wir ganz andere Tarifstrukturen. Unsere geniale IntelliProtect zum Beispiel, die in Deutschland einen Absatz findet wie warme Semmeln, können wir in Österreich gar nicht anbieten.

Redaktion: Welche Lösungen bieten Sie denn in Österreich an?

Stefan Otto: Wir haben hier mit der FondsRente ein sehr flexibles lebensbegleitendes Produkt. Ein kleines Beispiel dazu: Wenn sich nun ein 30-Jähriger dazu entscheidet, monatlich 100 Euro für seine Rente zu sparen, weiß er nicht, ob er tatsächlich mit 65 in Rente gehen kann oder ob das Rentenalter nicht vielleicht schon auf 69 Jahre angehoben wurde. Er weiß auch nicht, wie es ihm geht, sobald es soweit ist. Wenn er dann sein Renteneintrittsalter erreicht, hat er die Wahl. Ist er kerngesund und hat fünf Enkelkinder? In dem Fall kann er eine Rente mit Rentengarantiezeit wählen, damit die Enkelkinder noch etwas davon haben. Ist der Kunde dagegen single und hat keine allzu lange Lebenserwartung mehr, wählt er die Einmalzahlung und macht eine Weltreise. Die WWK garantiert dem Kunden, dass er theoretisch bis 85 weitersparen könnte. Und das mit den Sterbetafeln von 2004.

Redaktion: Was heißt das konkret?

Stefan Otto: Das bedeutet, er sichert sich heute die Sterbetafeln für eine Rente in 30 Jahren. Wenn wir davon ausgehen, dass die Lebenserwartung bis dahin weiter ansteigt, dann kann es zum Beispiel sein, dass er bei einer Lebenserwartung von 91 Jahren noch immer dieselbe Rente ausgezahlt bekommt, als würde er schon mit 83 sterben. Er bekommt demnach Rente geschenkt. Wir nennen das biometrische Verzinsung – das ist das Geilste, was es gibt. Da braucht man keine Fonds-Performance, da nutzt man einfach nur dieses Thema biometrische Verzinsung ausnutze. Ein einziges Produkt begleitet also mein ganzes Leben. Und das komplett flexibel.

Titelbild: © WWK / Jochen Benzing

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Lars Nievelstein
Lars Nievelstein
Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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