Warum vorsorgen? Im Kräftespiel zwischen Sozialstaat und Eigenverantwortung

Der demografische Wandel führt die soziale Marktwirtschaft in Deutschland auf immer schwereres Terrain. Die stetig wachsende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten sorgen dafür, dass immer mehr Rentner bei weniger Erwerbstätigen versorgt werden müssen.

Für das Jahr 2050 sagen Experten voraus, dass ein Rentner auf 1,2 Beitragszahler zu erwarten seien. Die umlagefinanzierte gesetzliche Rente wird ohne weitere Kürzungen oder eine Erhöhung des Rentenalters nicht mehr zu finanzieren sein. Daher gilt insbesondere für jüngere Menschen: Sie müssen rechtzeitig private Verantwortung übernehmen und vorsorgen, um ihre Existenz im Alter zu sichern.

Immer mehr Rentner auf immer weniger Beschäftigte

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt, die Geburtenrate ist seit Jahren niedrig – beides sind Resultate einer wohlhabenden Gesellschaft mit hoher Beschäftigungsquote.

Aber dieser Prozess bedeutet auch, dass die Deutschen im Durchschnitt immer älter werden und damit immer mehr Rentner auf immer weniger Beschäftigte kommen. Der demographische Wandel setzt damit das staatliche Rentensystem mächtig unter Druck.

Die Auswirkungen auf das Rentensystem sind schon heute deutlich spürbar: Die Regierung hat das zukünftige Rentenalter auf 67 Jahre angehoben und das Niveau gesenkt. Das heißt, dass der Anstieg der Renten geringer ausfällt als der Zuwachs an wirtschaftlicher Wertschöpfung – und das schon seit langem.

Das Rentenniveau sinkt und sinkt

Anfang der 2000er Jahre führte die rot-grüne Regierung die Riester-Rente ein, eine geförderte private Altersvorsorge, die die staatliche Rente ergänzen sollte. Diese Sparvariante erreichte eine erhebliche Akzeptanz: Mit mehr als 16 Millionen Riester-Verträgen zählte das Konstrukt lange als eines der erfolgreichsten staatlichen Rentenförderprogramme weltweit.

Außerdem hatte die damalige Bundesregierung das Rentenniveau bis 2030 bei 43 Prozent fixiert (zum Vergleich: 1990 lag das Rentenniveau noch bei 55 Prozent, 2020 bei 48,2 Prozent). Vergangenes Jahr wurde bekannt, dass das Niveau im Jahr 2034 wahrscheinlich auf 46 Prozent sinken wird.

Bis 2023 dürfte das Niveau zwar laut einem Bericht der Zeit wieder leicht steigen, danach wird es aber wohl erst einmal kontinuierlich sinken. Gleichzeitig werden bei den Beschäftigten die Beitragssätze erhöht, damit im Rentensystem genug Geld zur Umlage vorhanden ist: Bis 2023 soll der Satz auf 19,3 Prozent steigen, die beiden darauffolgenden Jahre sogar auf 19,9 Prozent.

Rente der Zukunft: Weniger Geld für höhere Beträge?

Danach könnte es noch düsterer werden, prognostiziert die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie. Dies betreffe alle unter 55-Jährigen. Laut Studie könnte im Jahr 2060 das Rentenniveau auf 40,5 Prozent absinken. 2080 soll es gar nur noch bei 38,8 Prozent liegen.

Arbeitnehmer würden außerdem immer höhere Beiträge in die Rentenkasse einzahlen und gleichzeitig privat vorsorgen müssen. Dabei steige der Beitragssatz innerhalb der nächsten 60 Jahre auf ganze 26,8 Prozent.

Das bedeutet konkret: Erwerbstätige werden zukünftig mehr einzahlen müssen, aber dafür immer weniger staatliche Rente bekommen. Mit einer steigenden Geburtsrate und mehr Zuwanderung bei gleichzeitiger Integration in den Arbeitsmarkt könnte dieser Trend laut Studie allerdings zumindest eingedämmt werden.

Darum privat vorsorgen

Niemand sollte darauf hoffen, dass sich das Rentenproblem in der Zukunft von alleine löst. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die staatliche Rente schon bald nicht ausreichen wird, um vorsorgen zu können und sich für das Alter den gewohnten Lebensstandard zu sichern. Der Ökonom Axel Börsch-Supan, Direktor des Forschungszentrums zur Ökonomie des demografischen Wandels, warnt im Südkurier: „Wer erst mit 50 an die Altersvorsorge denkt, hat keine Chance auf eine auskömmliche Rente mehr.“

Dass für diese Herausforderung der Einzelne allein nicht viel ausrichten kann, betont auch Bert Rürup, heute Chefökonom des Handelsblatts, in einem aktuellen Beitrag. Das Risiko der Langlebigkeit ist hierbei für Rürup der entscheidende Faktor: Da niemand wisse, wie alt er oder sie wird, ist es schlicht nicht möglich, allein für die Zeit zwischen dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben und dem Tod vorzusorgen. „Anders als für den Einzelnen lässt sich dieses „Langlebigkeitsrisiko“ für ein Kollektiv recht genau abschätzen, und zwar umso besser, je größer die Versichertengemeinschaft ist“, so Rürup.

Dieses Kollektiv ist bei der WWK im Marktvergleich besonders stark: Über 1,3 Millionen Kunden vertrauen auf die Vorsorgelösungen der WWK, die als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit nur ihren Kunden, oder besser: ihren Mitgliedern verpflichtet ist. Für eine private Altersvorsorge hat die WWK zahlreiche Möglichkeiten im Angebot: Neben der staatlichen geförderten Riester-Rente und einer betrieblichen Altersvorsorge können Kunden auch eine fondsgebundene Rente mit Garantie nutzen.

Titelbild: © Monkey Business/stock.adobe.com

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Lisa Mayerhofer
Lisa Mayerhofer
Mitglied der NewFinance-Redaktion mit vorherigen Stationen beim Süddeutschen Verlag und Burda Forward.

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